Brief einer Großmutter an ihren Enkel Pius

Dr. Albert Lingg hilft einem Teenager aus der Nachbarschaft gelegentlich bei schwierigen Hausaufgaben, der im Gegenzug bei Abstürzen des Computers einspringt. Bei einem Gespräch über die coronabedingt komplizierten Festtage zieht der junge Mann einen Brief seiner Oma aus der Tasche und liest ihn vor. Diesen Brief dürfen wir hier veröffentlichen, er beleuchtet eine andere Seite der Einschränkungen.

Lieber Pius,

mit deiner tollen Zeichnung und dem Eigenbau-Gedicht hast du deiner Oma eine große Freude gemacht. Du schreibst, es seien für dich keine echten Weihnachten, wenn wir nicht wie sonst feiern können. Und dass du dich sorgst wegen meinem Alleinsein. Natürlich wäre es anders schön, doch – wir machen das Beste draus!                                                                                           Haben es hier wie dort heuer ruhiger, ehrlich: es ging doch immer ganz schön hoch her, bei der Bescherung, mir Alten war es manchmal fast zu viel, die Berge Papier, das viele Essen und die lauten Diskussionen danach… So diesmal eben einmal ruhig, hab mir schon schöne Musik hergerichtet und passende Lektüre, wofür die letzten Jahre nie Zeit war. Hab diesmal statt kurzer Kartengrüße meinen Freunden Briefe geschrieben – und ganz liebe Post zurückbekommen, Nostalgie pur wirst du sagen. Was noch gut tut: schaue nur noch einmal täglich Nachrichten und halte mir so die Unglücke der ganzen Welt und Corona vom Leib. Und mit meiner Nachbarsfamilie, du weißt den alten Russen, hab ich was Tolles ausgemacht (alles Maßnahmen-konform!): ich koche für sie am Heilig Abend mein bayrisches Entenbradl mit Klößen, Rotkraut und Orangensauce und sie überraschen mich mit, weiß ich nicht, hoffe nicht zu Üppigem am Weihnachtsabend!

Lieber Bub, darf ich noch sagen, du siehst Oma geht es gut und sie macht das Beste draus, wie sie es im Leben öfters musste. Und das gelingt euch Jungen auch! Deine Zeichnung und das Gedicht (hast Talent, Bub!) hab ich eingerahmt und ist schöner als alle gekauften Geschenke.

Drück dich (mit Abstand 😉) Omi Bayern

 

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